Seit 2009 konnte der Fachbereich Klassische Archäologie der Universität Basel einen zentralen Bereich (Areal Strada) der eisenzeitlichen Nekropole von Francavilla Marittima untersuchen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Gräberfeldes an sich, aber auch der intensiv debattierten Frage nach den Mechanismen von Kulturtransfer und Migration in der Antike liefern. Ein in der Kampagne 2014 entdecktes Grab eines Machthabers der lokalen Bevölkerung lieferte gerade jüngst mit seinen herausragenden Funden (Axt, Krater, Kessel) ein sehr anschauliches Beispiel für die besondere Rolle des Platzes an der Schnittstelle von indigener italischer und exogener griechischer bzw. orientalischer Kultur. Die Arbeiten im Areal Strada konnten im Sommer 2014 wie geplant abgeschlossen werden. Parallel zur Schlusspublikation möchten wir die Grabungen in der Nekropole von Francavilla M. gerne fortsetzen, an anderer Stelle und mit einer neuen Fragestellung. Während im laufenden Projekt die Nekropole der vorkolonialen Phase (8. Jahrhundert v.Chr.) im Vordergrund stand, befasst sich das neue Projekt (2015-2017) mit der Frage nach der Entwicklung des Bestattungsplatzes im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. Dabei steht insbesondere die Frage nach der Genese der grossen, aus einer Vielzahl von Einzelbestattungen bestehenden Tumuli im Mittepunkt, die eine spezifische Besonderheit von Francavilla M. darstellen. Als Arbeitshypothese gehen wir davon aus, dass sie mit der Gründung der griechischen Kolonie Sybaris und dem daraus resultierenden Bedürfnis der einheimischen Eliten nach Abgrenzung und Betonung der eigenen Identität zusammenhängen. Für die geplanten Grabungen wurde ein mittelgrosser Tumulus im Westen der Nekropole ausgewählt, der aufgrund seiner Grösse und Lage besonders vielversprechend erscheint. Es ist geplant, diesen Grabhügel in drei Grabungskampagnen à 6 Wochen mit einem Grabungsteam in der bisherigen Grössenordnung von 12-14 Personen rund zur Hälfte zu erforschen. Von der sorgfältigen Ausgrabung und einer gut dokumentierten Stratigraphie versprechen wir uns wichtige neue Erkenntnisse zu Entstehung und Aufbau eines spezifischen Grabhügels, aber auch zu den Grabsitten der lokalen Elite und den oben angesprochenen Akkulturationsprozessen im allgemeinen. In beiden Fällen werden die neuen Erkenntnisse zu einem besseren Verständnis der in den 1960er Jahren ausgegrabenen Tumuli (Temparella, Cerchio Reale) der Macchiabate beitragen.