UNIverse - Public Research Portal

Angewandte und Umweltgeologie (Epting)

Projects & Collaborations

32 found
Show per page
Project cover

Pilotstandort MAR/MSWR Bereich Wüeri (Sissach)

Research Project  | 2 Project Members

Im Sommer trocknen verschiedene kleine und mittlere Fliessgewässer im Kanton Basel-Landschaft aus. Als Folge des Klimawandels ist zu erwarten, dass Trockenperioden länger und häufiger auftreten und sich die Auswirkungen von Wasserentnahmen noch verschärfen. So konnten entlang der Ergolz bereits beobachtet werden, dass auch die Grundwasserentnahme für die Wasserversorgung den Abfluss von Oberflächenwasser beeinflussen können.

Fliessgewässer stehen in Wechselwirkung mit dem Grundwasser, so existieren entlang von Wasserläufen Bereiche, in denen Flusswasser in den Grundwasserleiter infiltriert, und solche, in denen Grundwasser in das Oberflächengewässer exfiltriert. Vor allem wenn im Sommer mehr Grundwasser entnommen wird, und der Grundwasserspiegel sinkt, kann sich dies auf den Abfluss in den Wasserläufen auswirken. So schreibt das Wasserschutzrecht vor, dass dem Grundwasser nicht mehr Wasser entnommen werden darf, als ihm natürlicherweise zufliesst. Es darf auch nicht so viel Wasser aus einem Grundwasserleiter entnommen werden, dass der Wasserlauf beeinträchtigt wird.

Um diese Auswirkungen abzumildern, sind geeignete betriebliche Massnahmen oder auch Massnahmen zur Wasserrückhaltung erforderlich. So könnten z.B. ein ausgeglichenes Pumpenregime im Laufe des Tages in geringeren Absenkungen des Grundwassers resultieren. Möglich ist auch das Festlegen von Grundwasserständen unterhalb derer im Falle einer Trockenperiode kein Wasser mehr entnommen werden darf. Ein solcher Schwellenwert kann z.B. dem Grundwasserstand entsprechen, der erforderlich ist, um eine gewünschte Wassermenge im Fluss zu erhalten. Eine Möglichkeit, um einerseits das Grundwasserdargebot in Trockenperioden zu erhöhen und dem Trockenfallen der betroffenen Fliessgewässer entgegenzuwirken, ist die künstliche Grundwasseranreicherung der betroffenen Talgrundwasserleiter (Managed Aquifer Recharge MAR). Dabei könnte der Grundwasserspiegel durch die künstliche Infiltration von Oberflächenwasser so angehoben werden, dass dieser hydraulisch höher liegt als das Fliessgewässer, und damit Grundwasser in das Oberflächengewässer exfiltrieren kann (Managed Surface Water Recharge MSWR). Die künstliche Grundwasseranreicherung soll dabei bei Mittel- und Hochwasserabfluss (im Winter und den Übergangsjahreszeiten) stattfinden, während sommerlicher Niedrigwasserperioden könnte dann vergleichsweise «kühles» Grundwasser in die Fliessgewässer exfiltrieren. Neben einer quantitativen Optimierung, einschliesslich einer Erhöhung des Grundwasserdargebots und der Grundwasserexfiltration während Niedrigwasserperioden, würde auch eine ökologische Aufwertung von Flussabschnitten (Massnahme bzgl. Hitzestress) erzielt.

Für den Pilotstandort im Bereich der Wüeri östlich von Sissach wurde ein Oberflächen- und Grundwasserbeobachtungssysteme aufgebaut (insgesamt 9 Grundwassermessstellen und 3 Pegelmessungen in den Oberflächengewässern Ergolz und Homburgerbach). Gegenwärtig wird ein Grundwasser- und Wärmetransportmodell aufgebaut und parametrisiert. Anschliessend werden nach einer Kalibrierung sowie Validierung des Modells für den Pilotstandort Modellszenarien und Feldversuche formuliert. Mittels Modellszenarien sollen die oben aufgeführten hydraulischen Bedingungen (kontinuierlicher Betrieb und hydraulische Schwellenwerte) als auch MAR-MSWR-Konzepte untersucht werden. Gegenwärtig werden auch in Zusammenarbeit mit der Scherrer AG Abflussmessungen in der Ergolz bei Niedrigwasser vorgenommen, welche eine weitere Validierung der Modelle erlauben.

Project cover

Grundlagen Geologie, Hydrogeologie & Geotechnik für S-Bahn Doppelspurausbau Riehen

Research Project  | 2 Project Members

Im Rahmen der Planungsarbeiten «S-Bahn Doppelspurausbau Riehen» erhielt die AUG vom Tiefbauamt des Bau- und Verkehrsdepartements des Kantons Basel-Stadt den Auftrag, die Grundlagen zur Beschreibung der geologischen, hydrogeologischen und geotechnischen Verhältnisse zu erarbeiten.

Die Zusammenstellung dient als Grundlage für eine (1) weitergehende Beurteilung des Baugrundes und (2) Formulierungen von Gefährdungsbildern, die in nachfolgenden Projektierungsphasen anhand von ergänzenden Untersuchungen abgeklärt werden sollen. Wichtig sind zudem eine erste Beurteilung von Fragen bezüglich des Grundwasserfliessregimes sowie eine Diskussion von technischen Risiken während der verschiedenen Bauphasen und beim Betrieb der Verkehrsanlage. Auf Kenntnislücken in den zur Verfügung gestellten Informationen und auf eine allfällige Unvollständigkeit der Daten wird hingewiesen.

Das geplante Bauwerk verläuft in den Lockergesteinen und je nach Tiefenlage auch im Bereich des Felsun-tergrundes. Das Lockergestein gliedert sich entlang Strecke in Deckschichten die aus Feinmaterial (Lehm, Silt, Sand) bestehen und den Niederterrassenschottern die sich durch sandige Kiese und Gerölle aufbauen, welche sich abschnittsweise mit Feinmaterial verzahnen. Der Felsuntergrund besteht aus tertiären Sedimenten (Tüllinger Schichten, Elsässer Molasse und ggf. Meletta Schichten). Die Gesteine des Felsuntergrundes bestehen meist aus Mergel, Ton- und Sandsteinen. Aufgrund der tektonischen Beanspruchung können sie Streckenweise kleinräumig gestört, zerrüttet und verwittert auftreten. Die Lage und Beschaffenheit des Felsuntergrundes ist Abschnittsweise nicht bekannt.

Die regionale Grundwasserfliessrichtung in den Lockergesteinen ist aus dem Wiesetal gegen den Vorfluter Rhein gerichtet. Das Grundwasser zirkuliert hier in den Porengrundwasserleitern der Lockergesteine. Sofern das geplante Tunnelbauwerk im gesättigten Grundwasserbereich zu liegen kommt wird es abschnittsweise die Grundwasserfliessrichtung senkrecht queren. Nach den derzeitigen Informationen über den maximalen gemessenen Grundwasserspiegel wird das Bauwerk auf einer Länge von ca. 650 m im Grundwasser verlaufen. In diesem Bereich, in welchem Schwemmlehmablagerungen und möglicherweise auch Schichtwasser dokumentiert sind, existieren keine kontinuierlichen Messungen des Grundwasserstandes und der Temperatur. Deshalb wurden weitere drei Grundwassermessstellen mit Messsonden ausgestattet, welche im Herbst 2025 eine Neubeurteilung des Grundwasserfliessregimes erlauben werden. Zu evaluieren wäre auch inwiefern die geplanten Bauwerke den natürlichen Grundwasserstrom aus den Hangbereichen und den Schüttungsfächern zum Dinkelberg stören. Um den Grundwasserhaushalt und Ökosysteme, wie zum Beispiel das Reservat im Autal, nicht nachhaltig zu beeinträchtigen, müssen schon bei der Planung solcher Bauwerke adäquate Ersatzmassnahmen, wie zum Beispiel Drainageleitungen, vorgesehen werden.

Kenntnislücken des Grenzbereichs Lockergestein-Fels-Grundwasser erfordern ergänzende Abklärungen (Sondierbohrungen, geophysikalische Messmethoden, etc.) zu folgenden Aspekten: (1) Tiefenlage der Felsoberfläche; (2) Mächtigkeit, Ausbildung und geotechnische Eigenschaften der Verwitterungszonen entlang der Projekttrasse und (3) Lokalisierung von Sandlinsen, Rollkies- bzw. Nagelfluhkörpern innerhalb der Niederterrassenschotter. Die zusätzlichen Informationen würden eine Aktualisierung des geologischen 3D-Teilmodells im Projektperimeter eine Erweiterung bzw. Weiterentwicklung des bestehenden Grundwassermodells für spätere Abklärungen erlauben.

Für spätere Projektphasen wollen wir auch darauf hinweisen, dass grossflächige Eingriffe in den Untergrund, wie z.B. Tunnelbauwerke oder Tiefgaragen, zu nicht zu vernachlässigenden hydraulischen und thermischen Beeinflussungen des Untergrundes führen. Während der hydraulische Einfluss bisher vor allem im Zusammenhang mit dem Grundwasserschutz berücksichtigt wurde, werden bei neuen Projekten zunehmend auch thermische Einflüsse und der Wärmeaustausch mit dem Untergrund betrachtet. Wir sind der Ansicht, dass diese Aspekte frühzeitig berücksichtigt werden sollten, zumal sich der «S-Bahn Doppelspurausbau Riehen» im Zuströmbereich der Trinkwassergewinnung in den Lange Erlen befindet.

Project cover

Erkundung des Grundwasserfliessfelds und der Fluss-Grundwasser Interaktion im Bereich des Schänzlis, Muttenz (Interreg ERMES II)

Research Project  | 2 Project Members

Ziel des Projekts ist die Überprüfung der bestehenden Kenntnisse des oberflächennahen Grundwasserstroms in den Birsschottern im Bereich des Schänzlis und insbesondere die Interaktion des Grundwassers mit der Birs. Zudem sollen die Randzuflüsse aus den Festgesteinen der Flexurzone und des Tafeljuras (Rütihard) im Südosten quantifiziert werden. Vorausgehende Arbeiten haben gezeigt, dass für den Bereich Schänzli eine Reihe von Kenntnislücken bestehen, so (i) zum möglichen Ausmass der Infiltration des Birswassers in das Grundwasser bei Hochwasser, (ii) zum Grundwasseranteil der die Birs von Südwesten kommend unterströmt, sowie (iii) den mittleren Fliessgeschwindigkeiten im Zustrom.

Eine Verdichtung des bestehenden Messstellennetzes im Rahmen des Projektes hatte zum Ziel Grundlagen zu liefern für weiterführende Untersuchungen im Projekt. Dazu wurden 9 Messstellen rechts- wie linksseitig der Birs mit Druck- und Temperatursonden instrumentiert. Ein Beispiel zur Verwendung der aufgezeichneten Messreihen ist die Messung der Infiltration von Birswasser in den Grundwasserleiter bzw. Exfiltration des Grundwasser in die Birs im Bereich des Schänzlis, welche Ende Sommer von der Scherrer AG vorgenommen wurde und auf Pegel- und Temperaturverläufe im Birs- und im benachbarten Grundwasser basiert. Weiter sollen die Messreihen für die Definition der Randbedingungen und der Kalibration einens 3D-Grundwassermodells verwendet werden, welches im 2025 fertig entwickelt wird.

Project cover

Erstellung der Wegleitung zur Nutzung der Erdwärme mittels Erdwärmesonden im Kanton Basel-Stadt

Research Project  | 4 Project Members

Die AUG hatte dem AUE BS vorgeschlagen das erhöhte Bohrrisiko für Erdwärmesonden u.a. im Bereich der Flexurzone des Rheingrabens in Riehen zu verringern indem die im 2021 erfolgten 3D seismischen Untersuchungen im Kanton Basel-Stadt für eine Verbesserung der geologischen Prognose bis in eine Tiefe von 400 m verwendet werden. Im Frühjahr 2024 konnte die prozessierte und tiefenmigrierte Auswertung der 3D-Seismik für eine Anpassung der geologischen Leithorizonte Top Fischschiefer(-Foraminiferenmergel) und Basis Känozoikum bis in eine Tiefe von etwa 400 m unter Terrain evaluiert werden.  Dazu erfolgte ein Import der seismischen Linien in ein geeignetes Visualisierungsprogramm, sowie für den Vergleich mit den bestehenden geologischen 3D-Modell-Leithorizonten ein folgender Export in GOCAD.

Der Vergleich mit diesen Modell-Leithorizonten ergab gute Übereinstimmungen im westlichen Modellteil, aber auch Abweichungen der seismischen Horizonte insbesondere im Vergleich mit den Referenzhorizonten in den beiden Geothermiebohrungen Riehen 1 und 2. Nach einer Anfrage beim Auftraggeber der 3D- Seismik (Geo2Riehen) zur möglichen Ursache der Abweichungen im Bereich der Flexurzone in Riehen wurde ein fachlicher Austausch mit den geologischen Beratern des Auftraggebers für Beginn 2025 in Aussicht gestellt. Ziel bleibt es die geologischen Referenzhorizonte für Aquifere und Evaporite bis in einer Tiefe von 400 m mittels der seismischen Information anzupassen um die Erstellung der Wegleitung im Jahr 2025 abzuschliessen.