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(V)INEQUALITY. Tracing Mobility, Health and Diseases in the Social Networks of 4th Century Vindonissa

Research Project  | 2 Project Members

Vindonissa bietet ein einzigartiges Umfeld, um Herkunft, Mobilität, Lebensbedingungen, Gesundheit, Ernährung und soziale Strukturen der spätantiken Bevölkerung zu untersuchen. Über 400 Bestattungen aus mehreren Arealen (Oberburg, Tschanz, Dammstr., Remigersteig) werden erstmals interdisziplinär analysiert, dies unter Einbezug von aDNA, Strontium-, Sauerstoff- und Kohlenstoff-Isotopen sowie anthropologischen Daten.

Die bereits vorliegenden anthropologischen Analysen von 38 Bestattungen aus 26 Gräbern (Windisch-Tschanz) zeigen eine auffällige demografische Zusammensetzung: Es handelt sich nämlich mehrheitlich um junge Männer, die körperlich stark belastet waren und teilweise Anzeichen systemischer Infektionen und Karies aufwiesen. Die Gräber waren fundarm, lediglich Münzen, Schmuck und Kleidungselemente dienten als Beigaben, einige Artefakte deuten auf Soldaten oder Zivilbeamte hin.

Ziel des Projektes ist es, Herkunft, Verwandtschaft, Krankheiten und Ernährungsgewohnheiten der im spätantiken Vindonissa lebenden Bevölkerung zu rekonstruieren und neue Aspekte der Ungleichheit der Bestatteten zu untersuchen. Die Kombination von naturwissenschaftlicher Methoden und Analysen der materiellen Kultur werden neue Einblicke in soziale Strukturen, Mobilität und Interaktionen im spätantiken Vindonissa ermöglichen. Ein Vergleich mit den in absehbarer Zeit vorliegenden Daten aus den spätantiken Gräberfeldern in Basel (vgl. Depaermentier et al. 2023 und https://data.snf.ch/grants/grant/208060) erlaubt zudem einen überregionalen Abgleich der Daten. 

Im Vorfeld dieses Projektes wird eine Pilotstudie durchgeführt, die 40 zufällig ausgewählte Gräber umfassen soll (Finanzierung durch den Forschungsfonds), gefolgt von der umfassenden Analyse aller Bestattungen (Finanzierung durch SNF/ERC Starting Grant). Die Kooperation mit der Integrativen Prähistorischen und Naturwissenschaftlichen Archäologie (IPNA) am Dep. Umweltwissenschaften (Universität Basel) und dem Max Planck–Harvard Research Center for the Archaeoscience of the Ancient Mediterranean in Jena gewährleistet zudem die methodische Expertise im naturwissenschaftlichen Bereich.

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Die mittelpaläolithische Fundstelle Mutzig «Rain» (F) - Ausgrabung, Auswertung und Publikation

Research Project  | 4 Project Members

Die mittelpaläolithische Fundstelle Mutzig «Rain» liegt im Elsass (Département Bas-Rhin, F) und wurde 1992 bei Umbauarbeiten zufällig entdeckt. Seit 2009 wird sie im Rahmen systematischer Grabungskampagnen erforscht. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt steht unter der Leitung von Archéologie Alsace, in enger Zusammenarbeit mit den Universitäten Basel (CH), Zürich (CH) und Strasbourg (F) sowie dem Muséum National d'Histoire Naturelle in Paris. Die Grabung dient gleichzeitig als Lehr- und Ausbildungsgrabung: Jeden Sommer nimmt auch eine Gruppe Studierender der Universität Basel teil und erhält einen vertieften Einblick in das Grabungshandwerk auf einer prähistorischen Fundstelle.

Die Fundstelle lag ursprünglich unter einem Felsdach aus Buntsandstein, das bereits in prähistorischer Zeit teilweise eingestürzt ist. Die archäologische Sequenz umfasst bislang mindestens 15 Schichten, die sich über rund zwei Meter Tiefe erstrecken; der natürliche Felsuntergrund wurde noch nicht erreicht. Das reiche und gut erhaltene Fundmaterial setzt sich vorwiegend aus Steinartefakten, Faunenresten, Mikrofauna und Holzkohlen zusammen; mehrere gut erhaltene Feuerstellen konnten ebenfalls dokumentiert werden.

Alle Funde gehören dem Mittelpaläolithikum an. Die absoluten Datierungen (OSL sowie ESR/U-Th) ergeben ein Alter von rund 90 000 Jahren und weisen die Fundstelle in den Beginn der letzten Eiszeit (Weichsel- bzw. Würmkaltzeit). In mehreren Begehungsphasen hinterliessen die Neandertaler die Überreste ihrer Jagdbeute: Knochen von Mammut, Rentier, Wildpferd, Wollnashorn, Bär und Löwe zeugen von einer intensiven Jagdtätigkeit. Die Steinwerkzeuge wurden aus verschiedenen lokalen Gesteinsvarietäten gefertigt und zeigen die typischen technologisch-typologischen Formen des mittelpaläolithischen Moustérien.

Ausgedehnte Flächengrabungen und die Ergebnisse der interdisziplinären Zusammenarbeit erlauben erste Einblicke in die Nutzung der Fundstelle zur Zeit der Neandertaler. Neben der Analyse der Steinartefakte und Feuerstellen wird das Fund- und Probenmaterial von Spezialistinnen und Spezialisten der Archäozoologie, Mikrofauna, Geoarchäologie (Mikromorphologie, Sedimentologie, Petrographie), Anthrakologie, Palynologie und Isotopenanalyse bearbeitet.


In der aktuellen Dreijahresperiode werden die Grabungen jeweils im Sommer weitergeführt und die vertiefte interdisziplinäre Auswertung der Fundstelle vorangetrieben.